Ratgeber Panikattacken im Schlaf – wenn die Angst dich mitten in der Nacht weckt
Stell dir vor: Du schläfst ganz ruhig und friedlich. Du bist eingehüllt in eine kuschelige Decke und befindest dich an einem sicheren Ort. Doch plötzlich schreckst du aus dem Schlaf hoch. Dein Herz rast, Schweiß läuft dir über die Stirn und du hast das beängstigende Gefühl, keine Luft mehr zu bekommen. Panikattacken im Schlaf sind ein erschütterndes Erlebnis. Sie kommen ohne Vorwarnung und hinterlassen oftmals eine tiefe Verunsicherung. Zurück bleibt hingegen die nagende Angst: Was, wenn es wieder passiert?
Inhaltsübersicht
- Warum Panikattacken nachts so furchteinflößend sind
- Woher weiß ich, dass es sich bei mir um eine Panikattacke gehandelt hat?
- Mögliche Ursachen für Panikattacken im Schlaf
- Folgen für den Alltag, die belastend sein können
- Was du tun kannst, um Panikattacken im Schlaf zu verhindern
- Fazit: Zurück zu sicheren Nächten – dein Weg in den erholsamen Schlaf!
- FAQ

Bildquelle: pexels / Kampus Productions
Das Wichtigste in Kürze:
Warum Panikattacken nachts so furchteinflößend sind
Panikattacken sind am Tag schon sehr belastend und stellen eine wahre Zerreißprobe dar. Nachts wirken die Attacken jedoch oft noch bedrohlicher. Die Kombination aus Hilflosigkeit, Kontrollverlust und Dunkelheit verstärkt die Intensität enorm.1
Mario, 29 Jahre alt, erzählt, wie sich eine Panikattacke für ihn anfühlt:
„Letzte Nacht bin ich plötzlich hochgeschreckt – mitten aus dem Schlaf heraus. Ich habe panisch nach Luft geschnappt und hatte das Gefühl, zu ersticken. Gleichzeitig hat sich alles um mich herum unwirklich angefühlt. Ich wusste im ersten Moment überhaupt nicht, was los ist. Als ich dann gemerkt habe, dass es „nur“ eine Panikattacke war, hat sich die Erleichterung mit Scham gemischt. Ich habe mich so machtlos gefühlt, als hätte mein eigener Körper die Kontrolle übernommen.“
Rein medizinisch betrachtet, stellen Panikattacken keine Gefahr dar. Sie sind allerdings psychisch sehr belastend und können dich durchaus an deine Grenzen bringen.2
Woher weiß ich, dass es sich bei mir um eine Panikattacke gehandelt hat?
Du bist dir unsicher, ob du eine Panikattacke erlitten hast? Dann kann ein Selbsttest hilfreich sein. In der Regel tritt die Panikattacke nachts, genauso wie am Tage, plötzlich auf. Sie dauert ungefähr zwischen wenigen Minuten bis zu einer halben Stunde. Manchmal kann sie sogar noch länger anhalten. Neben Hyperventilation und Herzklopfen sind
nicht selten. Eine Panikattacke erkennst du vor allem daran, dass sie plötzlich und ohne Vorwarnung auftritt. Bei einigen Betroffenen kommt es nur gelegentlich zu Panikattacken, andere erleben sie mehrmals wöchentlich oder monatlich.3 Jede Panikattacke hat jedoch einen Hintergrund.
Der Autor Klaus Bernhardt schildert in seinem Werk „Panikattacken und andere Angststörungen loswerden“, wie sich Panikattacken ankündigen können: „Ängste generell – und dazu gehören auch Panikattacken – sind zuerst einmal eine völlig richtige und gesunde Reaktion unseres Körpers. Denn Angst hat nur eine Aufgabe, nämlich die, uns zu schützen. […] Zu den psychischen Warnsignalen zählt zum Beispiel eine plötzlich nachlassende Merk- und Konzentrationsfähigkeit, aber auch Antriebsschwäche, Kraftlosigkeit und scheinbar grundlose Traurigkeit. Die Panikattacke selbst ist übrigens die letzte Stufe und somit die stärkste Form eines psychischen Warnsignals. Zu den körperlichen Warnsignalen zählen u.a. Magen- und Darmprobleme, eine plötzliche Verschlechterung der Sehkraft, Hautirritationen, unwillkürliches Muskelzucken (sogenannte Tics) sowie gesteigerter Harndrang. Selbst Bandscheibenvorfälle und Gürtelrosen sind erwiesenermaßen oft psychosomatisch bedingt und zählen deshalb ebenfalls zu diesen Warnhinweisen.“ (Seite 13 bis 15)
Mögliche Ursachen für Panikattacken im Schlaf
Die Gründe für Panikattacken im Schlaf können von Mensch zu Mensch unterschiedlich sein. Es gibt allerdings eine Reihe von Einflüssen, die Panikattacken in der Nacht begünstigen können:
In einigen Fällen können auch unangenehme Träume unbewusst Angstreaktionen im Schlaf triggern. Dein Nervensystem bleibt dabei in ständiger Alarmbereitschaft. Mithilfe der Attacke entlädt sich schließlich dein Nervensystem, obwohl dein Körper eigentlich Ruhe und Schlaf braucht.
Folgen für den Alltag, die belastend sein können
Wenn du wiederholt Panikattacken nachts erlebst, kann das dazu führen, dass du wenig Erholung bekommst. Es entsteht ein Teufelskreis, der Tagesmüdigkeit, Konzentrationsprobleme und Stimmungsschwankungen mit sich bringt. 6
Manche Menschen meiden deshalb abends bewusst Situationen, die sie mit Angst in Verbindung bringen. Nutze positive Gedanken, ein entspannendes Bad oder einen warmen Tee, wenn du Inspirationen für angenehme Einschlafrituale benötigst. Diese Dinge können dir helfen, Druckgefühle zu lösen und eine beruhigende Atmosphäre für die Nacht zu erzeugen.
Was du tun kannst, um Panikattacken im Schlaf zu verhindern
Die gute Nachricht für dich: Deine Panikattacken im Schlaf sind behandelbar. Nutze ein paar Soforthilfe-Tipps, die dich dabei unterstützen, die Attacken in der Nacht zu lindern.
Wenn du den Panikattacken komplett ein Ende setzen möchtest, ist professionelle Hilfe für dich empfehlenswert. Regelmäßige Gespräche mit Expert:innen und spezielle Entspannungstechniken helfen dir somit, die nächtlichen Panikattacken Stück für Stück in den Griff zu bekommen.
Fazit: Zurück zu sicheren Nächten – dein Weg in den erholsamen Schlaf!
Mit Verständnis für deinen Körper und wirksamen Strategien kannst du wieder erholsame Nächte zurückerlangen. Schlaf darf zurückkehren zu dem, was er sein soll: ein sicherer Ort der Erholung und Kraft.
Wir helfen dir dabei: Unsere psychologischen Berater:innen unterstützen dich und liefern dir individuelle Lösungsansätze, die dich deinem Ziel näherbringen. Mithilfe eines Infogesprächs erhältst du von unserer Klient:innenbegleitung alle wichtigen Informationen – buche noch heute dein Gespräch!

FAQ
Sind Panikattacken und Nachtschreck dasselbe?
Die Panikattacke unterscheidet sich kategorisch vom Nachtschreck (Pavor Nocturnus). Die Panikattacke tritt in der Regel in der REM-Phase auf. Betroffene sind sich zudem bewusst, dass sie wach sind und eine körperliche sowie emotionale Reaktion durchleben. Anders ist es beim Nachtschreck, der in der Tiefschlafphase aufkommt. Betroffene sind in einem Zustand zwischen Schlafen und Wachsein, schreien oftmals und bewegen sich sogar durch Räume. Am nächsten Tag können sie sich jedoch an nichts mehr erinnern.
Fühlen sich Panikattacken nachts intensiver an?
Panikattacken in der Nacht können sich für Betroffene besonders anstrengend anfühlen. Das liegt daran, dass sich dein Körper im Entspannungsmodus befindet und deine Herz- und Atemfrequenz in Ruhephasen sinkt. Kommt eine Panikattacke nachts auf, fühlt sich das wie ein radikales Kontrastprogramm an. Das kann dazu führen, dass du die Symptome der Panikattacke in der Nacht noch stärker wahrnimmst.
Kann ein Schlaftagebuch helfen, die Panikattacken aufzulösen?
Ein Schlafprotokoll, das du in deinem Schlaftagebuch festhältst, hilft dir beim Auflösen der Panikattacken weiter. Führe dabei auf, wann die Attacken auftauchen und welche Symptome du wahrnimmst. Das hilft deinen psychologischen Berater:innen, eine geeignete Behandlung für dich zu erarbeiten.
Quellen:
1 Craske, M. G., & Tsao, J. C. I. (2005). Assessment and treatment of nocturnal panic attacks. Sleep Medicine Reviews, 9(3), 173–184.
2 Craske, M. G., & Barlow, D. H. (2008). Panic disorder and agoraphobia. In D. H. Barlow (Ed.), Clinical handbook of psychological disorders (4th ed., pp. 1–64). New York: Guilford Press
3 Mellman, T. A., & Uhde, T. W. (1989). Sleep panic attacks: Clinical characteristics and treatment. American Journal of Psychiatry, 146(9), 1204–1207
4 Hettema, J. M., Neale, M. C., & Kendler, K. S. (2001). A review and meta-analysis of the genetic epidemiology of anxiety disorders. American Journal of Psychiatry, 158(10), 1568–1578.
5 McLaughlin, K. A., Green, J. G., Gruber, M. J., Sampson, N. A., Zaslavsky, A. M., & Kessler, R. C. (2010). Childhood adversities and adult psychiatric disorders in the National Comorbidity Survey Replication II: Associations with persistence of DSM-IV disorders. Archives of General Psychiatry, 67(2), 124–132
6 Papadimitriou, G. N., & Linkowski, P. (2005). Sleep disturbance in anxiety disorders. International Review of Psychiatry, 17(4), 229–2367 Kim, B., Lee, S. H., Kim, Y. W., Choi, T. K., Yook, K., Suh, S. Y., … & Yook, K. H. (2013). Effectiveness of mindfulness-based cognitive therapy as an adjuvant to pharmacotherapy in patients with panic disorder. Journal of Anxiety Disorders, 27(6), 510–516